Aus dem Kiez: von Hagens der Leichenfledderer?

Um es nochmals deutlich zum Ausdruck zu bringen oder eventuell vorhandene Wissenslücken zu füllen, es gab nie ein päpstliches Verbot, welches es dem an der Anatomie des Menschen interessiertem untersagte, Körper zum Zwecke des Studiums zu eröffnen.

Das damit im Zusammenhang stehende Problem ist jedoch das zur Schau stellen von Körpern bei denen der Aspekt der anatomischen Lehre in den Vordergrund geschoben wird, wie man es Gunther von Hagens und seiner Körperwelten Ausstellung vorwirft, sowie der seitens der christlichen Gemeinschaft in den Ring geworfenen Störung der Totenruhe.

Nun treibt er es auf die Spitze und möchte ausgerechnet im Herzen Berlins sesshaft werden um den Berlinern und deren Besuchern seine Plastinate, in einer dauerhaften Ausstellung am Fuße des Fernsehturmes, zu präsentieren.

Verwerflich könnte man es finden wenn die ausgestellten Menschen wie zu Zeiten Leonardo da Vinci´s von dunklen Gesellen zum Kauf angeboten oder des nächtens aus Gräbern geholt worden wären um für anatomische Studien missbraucht zu werden. Dies kann bei den Objekten Gunther von Hagens ausgeschlossen werden da sich jeder einzelne freiwillig und in dem Wissen um die Arbeiten von Hagens zur Verfügung gestellt hat.

Die im Zusammenhang mit der Anmietung von 1.200 Quadratmetern Fläche am Fernsehturm aufbrandenden Diskussionen in den Printmedien sowie der stets damit einhergehenden gleichlautenden Argumentationen seitens der christlichen Kirchen verhelfen von Hagens zu einer Publicity welche auf eine wiederholt erfolgreiche Ausstellung schliessen lässt.

Ein Fuchs dieser von Hagens sich an einem derart hoch frequentiertem Ort einzumieten, einem Ort zu dem Berliner wie Berlin Touristen pilgern und Upps so ganz nebenbei auf seine Plastinate stoßen.

Man mag zu von Hagens und seinen Arbeiten stehen wie man will sollte dabei jedoch nicht außer Acht lassen das er es mit Hilfe der von ihm ausgestellten Plastinate geschafft hat ein Millionen Publikum zu erreichen denen er auf seine ihm spezielle Art einen Zugang zur Anatomie des Menschen ermöglichte.

Gunther von Hagens

Gunther von Hagens Bild: wikipedia Nick J. Webb

Andere, ähnliche Ausstellungen welche nicht gar so extrovertiert daher kommen fristen eher ein Schattendasein und können von einem, wie von Hagens ihn hat, der Art großem Zuspruch nur träumen. In diesem Zusammenhang ist die Ausstellung des Medizinhistorischen Museums der Charite am Chariteplatz 1 in Mitte zu nennen welches in den Jahren von 1899 bis 1901 von Rudolph Virchow gegründet und mit über 23.000 Exponate ausgestattet wurde. Virchows Präparate kommen zwar nicht so spektakulär daher wie die von Hagens versprühen jedoch einen ebenso zweifelhaften Charme wenn man die in Formaldehyd eingelegten Fötus Anomalien in ihren Gläsern betrachtet oder an der Gehirn-Tumor-Galerie entlang flaniert.

Die in der Charite dem interessiertem Publikum zur Betrachtung ausgestellten Stücke präsentieren sich in Form einer Ausstellung welche sich als medizinhistorische Retrospektive versteht die Einblicke in die Kunst der Diagnostik, der Erforschung von Krankheitsbildern sowie den zu Zeiten Virchows zur Verfügung stehenden Mitteln der Lehre geben soll.

Ein vollkommen anderer Anspruch als jener dem von Hagens mit seinen, nicht in Formaldehyd oder ähnlichen Flüssigkeiten eingelegten und vor sich her grauenden Organen, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gefertigten Präparaten nach geht. Die von diesen Plastinaten ausgehende Faszination bildet sich in Form der vorhandenen Präzision und Detailtreue ab die man sonst eben nur  im Sektionssaal erleben kann.

von Hagens Ausstellung

photo credit: Nick J Webb via photopin cc

Insgeheim wünscht sich wohl jedes medizinische Lehrinstitut derart realistische Modelle für die Lehre seiner zukünftigen Mediziner anstatt auf Kunststoffmodell oder eine virtuelle Reise durch den menschlichen Körper am PC zurückgreifen zu müssen.

Fazit:

Scheuen sie nicht den direkten Vergleich und besuchen sie auch die Ausstellung im Medizinhistorischen Museum der Charite um für sich selbst eine Meinung bilden zu können wenn es um die Qualität und Aussagekraft der Plastinate Gunther von Hagens geht.

Das Medizinhistorische Museum befindet sich auf dem Campus am Chariteplatz 1 in 10117 Berlin und ist bei einem Eintrittspreis von 7.- € bzw. 3,50 ermäßigt, von Dienstag  bis Sonntag in der Zeit von 10:00 bis 17:00 bzw. Mittwochs und Sonnatgs bis 19:00 Uhr geöffnet.

Bis zum 21. September 2014 läuft die Sonderausstellung „Praxiswelten – Zur Geschichte der Begegnung von Arzt und Patient“.

 

 

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gunther_von_Hagens?uselang=de Fotos by: Nick J. Webb

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