Gelesen: Keith Richards Life

Keith Richards feierte in 2013 seinen 70 zigsten Geburtstag, was jedoch an seiner Einstellung das Leben eines Rock´n Rollers zu führen keinen Abbruch leistet auch wenn die Zeiten der Skandale und des exzessiven Drogenkonsums lange hinter ihm liegen.

Er, der mich musikalisch seit Mitte der siebziger Jahre begleitet, mit seiner schrägen, kautzig wirkenden Art, eines meiner Idole, sitzt nach vorn gebeugt, sich eine Zigarette anzündend da und fixiert mich mit seinem linken Auge während das andere Auge durch einen Spalt zwischen kleinem Finger und Ringfinger der an seiner Stirn ruhenden rechten Hand hindurch schaut.

Songs wie „Angie“ oder „Satisfaction“,welche Generationen von Menschen weltweit mit den Rolling Stones in Verbindung bringen,  tragen seine Handschrift, wurden von ihm komponiert und dennoch assoziiert man zuerst, seine Hass-Liebe, Mick Jagger mit ihnen.

Den Blick nicht vom Einband des Buches lösend streife ich im Gedanken durch unsere „gemeinsame“ Zeit die mit den LP`s  („Aftermath“, „Baggar`s Banquet“ und „Sticky Fingers“) meiner großen Brüder begann, deren Cover mir vor meinem geistigen Auge erscheinen. Der Wirbel den das 1982er Stones Konzert in der Berliner Waldbühne auslöste da es im Vorfeld einzig um die Frage ging ob diese anschließend überhaupt noch zu benutzen wäre. Der August 1995 schießt mir durch den Kopf indem die Stones mit der bis dahin größten, jemals präsentierten Bühnenshow durch die Welt zogen und mit der Voodoo Lounge Tour im Berliner Olympiastadion  gastierten. 

Das Buch startet während der 1975 er Tour durch die USA während der Ronnie Wood, als „Gastmusiker“ und späterer Gehaltsempfänger, die Stones begleitete bis dieser 1993 vollwertiges Mitglied bei den Rolling Stones wurde. Keith und Ronnie harmonierten nicht nur auf der Bühne in Bezug auf ihr Gitarrenspiel sondern auch hinter den Kulissen wenn es um den Konsum von Drogen aller Art ging was für Keith im Laufe seiner Karriere einige Sitzungen vor Gericht sowie mehrere daraus resultierende Bewährungsstrafen mit sich brachte.

Keith Richards Auflistung der Drogenexzesse?

 

Bevor man überhaupt erfährt woher dieser Keith Richards stammt und wann sich das Dreamteam des Rock´n Roll über den Weg lief, lernt man Keith auf eine Art und Weise kennen die prägend war für das Bild des Drogen- und Alkoholsüchtigen Superstars der einen exzessiven Lebensstil bevorzugt. Das erste Kapitel steigt ein in der Mitte der 70 er Jahre welche geprägt waren vom Rassenhass der Amerikaner und der Abneigung all dessen was nicht zu ihren Moralvorstellungen passte, sowie der Sehnsucht und der Suche des Keith Richards nach den Wurzeln des Blues und dem ultimativen Gitarrenriff. Die Stones gehörten spätestens seit dem Altamond Konzert 1969, bei dem ein Zuschauer von einem Security Mitarbeiter erstochen wurde, zu den persona non grata in den Vereinigten Staaten. Und so endet das erste Kapitel wie es zu erwarten war mit Drogenbesitz, Festnahme durch die Polizei und einem nimmermüde werdenden Anwalt der die Anschuldigungen ad absurdum führt.

Dieser Einstieg riecht förmlich nach der Aneinanderreihung spektakulären Drogendeals, Abstürzen, Skandalen, Gerichtsverhandlungen und Frauengeschichten in tabellarischer Form wäre da nicht die ab dem zweiten Kapitel beginnende persönliche Form der Erzählung über seine frühe Jugend und die Darstellung seines familiären Umfeldes welche mir auch im weiteren Verlauf des Buches ein Gefühl vermittelte als würden wir bei einer Flasche Jack Daniels auf der Terrasse unseres Hauses sitzen während er mir aus seinem Leben erzählte. Bert und Doris, seine Eltern, werden ebenso zu vertrauten Personen für mich wie sein Großvater Gus der ihm die ersten Griffe auf der Gitarre beibringt.  

Es werden Situationen eines heranwachsenden Jungen beschrieben wie wir sie alle vielleicht kennen da sie untrennbar mit dem erwachsen werden im Zusammenhang stehen.

Ein aus einfachen Verhältnissen stammender Keith Richards der es einmal besser haben sollte als seine Eltern es je hatten, dessen Erinnerungen hier und da parallelen zum lesenden aufwerfen wenn es um schlechte Schulnoten oder den ersten Kontakt zum anderen Geschlecht geht. Er erlaubt tiefe Einblicke in sein Leben und stellt dieses, in seiner bisweilen rotzigen Art dieses niederzuschreiben, bildhaft dar. Man mag kaum Glauben das dieser, nicht gerade begnadete Sänger, einem Chor angehörte und stinksauer war diesen verlasssen zu müssen oder eine Kunstschule besuchte auf der er Gefahr lief Grafikdesigner zu werden wenn da nicht die Sache mit der Musik gewesen wäre die ihn mehr als alles andere reizte und dazu geführt hat zusammen mit Mick Jagger und Dick Taylor 1961 die „Little Boy Blue and the Blue Boys“ zu gründen.

Die Besessenheit des Keith Richards es den großen seiner Zeit nachzueifern, im Rampenlicht stehen zu wollen um den Menschen seine Interpretation des Rhythm and Blues zu Füßen zu legen und sich gegen das Establishment aufzulehnen bildet sich in den darauf folgenden Kapitel in wunderbarer Weise aus.

Die Geburtsstunde der Rolling Stones, das Chaos in dem sie lebten, ständig darum bemüht endlich von ihrer Musik Leben zu können bis der erste Plattendeal ihnen ein geregeltes Einkommen verspricht. Als Cover Band, mit dem Anspruch der englischen Bevölkerung die schwarze, amerikanische Musik näher zubringen feiern sie bis Ende 1963 bescheidene Erfolge. Es waren die Beatles die ihnen „I wanna be your man“  auf dem Silbertablett präsentieren und Keith und Mick endlich dazu brachte eigene Songs für die Rolling Stones und andere Musiker zu schreiben.

Der „Merck Stoff“ unter den Musiker-Biographien

 

Genüssliche lehne ich mich zurück, bin amüsiert darüber zu erfahren das diese „Rivalität“ zwischen den Beatles und den Stones nie wirklich existierte und lasse mich treiben im Fluß

keith richards life

keith richards life

der Entstehungsgeschichten großer Songs. Keith Richards nimmt sich viel Zeit auf die Entstehungsgeschichte einzelner Songs einzugehen, welche Ereignisse sich dahinter verbergen, was ihn getrieben hat diesen oder jenen Song zu schreiben oder aus welcher Situation heraus an welchem Ort ein Song geboren wurde.

Die Jahre werden wilder, die Konzerte größer, die Stones zu einer der größten Rock´n Roll Band des zwanzigsten Jahrhundert und die Probleme welche daraus generiert werden erreichen fast eben solche Dimensionen.

Das Buch stellt eine zeitgeschichtliche Reise dar die geprägt ist von der Musik der 60er & 70er Jahre, dem Aufstieg und Fall der Rolling Stones, der persönlichen Beziehungen zu Mick Jagger, den Drogenexzessen, Frauengeschichten, dem JetSet sowie dem Hang zur Gigantomanie der Bühnenshows und kehrt dennoch immer wieder ein in sein ihn persönlich betreffendes Leben.

Erstaunt hat mich die Tatsache wie Nahe Keith Richards seine Leser an sich heran lässt insofern er vieles aus seinem privaten Leben ausplaudert indem es immer nur um die Musik ging, selbst in der Sterbephase seiner geliebten Mutter.

Danke Keith, dafür das ich dieses Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte.

„Life“ ist für mich der Merck Stoff unter den Musiker Biographien.

p.s.: Als nächstes schauen wir mal wie Mick Jagger die Sache sieht – Philip Norman: Mick Jagger Die Biographie

Author: admin

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