Pflegekräfte Mangelware

Bei all den Diskussionen um den (seit den 60er Jahren bekanntem) Pflegenotstand und den damit im Zusammenhang stehenden Einladungen an West,- Ost,-und Nichteuropäische Pflegekräfte unsere pflegebedürftigen Menschen bei den alltäglichen Verrichtungen zu unterstützen stelle ich mir die Frage: Wie pflegen all jene, die wir herzlich zu uns einladen, ihre alten Menschen?

Mein Traum wäre es mich auf zu machen um mir vor Ort einen Einblick über die Gesundheitssysteme dieser Welt verschaffen zu können, doch leider ist dies mit immensen Kosten verbunden welche ich zu tragen nicht in der Lage bin und würde, so glaube ich zumindest, am Widerstand meiner Lieblingsfrau scheitern.

Der immense Bedarf an Pflegekräften, welcher von Jahr zu Jahr stets auf´s neue thematisiert wird, hilft uns vermutlich nur dabei die Kosten in überschaubaren Größen zu halten da wir unsere neuen Pflegekollegen zum Anlass nehmen würden die jetzt schon geringen Einkommen in Pflegeberufen möglichst niedrig zu halten.

Mit der nun in den unterschiedlichsten Ländern der Welt ausgesprochenen Einladung Pflege bei uns in Deutschland zu praktizieren konfrontieren wir zum einen unsere alten Menschen mit anderen, ihnen vielleicht fremden Kulturen was für den einen oder anderen auch befremdlich wirken kann und entziehen dem Arbeitsmarkt des Herkunftslandes professionelle Pflegekräfte wodurch dort ein Fachkräftemangel provoziert wird.

Wie groß kann der Egoismus eines Landes, welches der sich seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ankündigenden Pflegeproblematik im eigenen Land nichts entgegen gesetzt hat, eigentlich sein?

Während in der Zeit zwischen 1963 und 1970 rund 18.000 Gastarbeiter aus Korea ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland geholt wurden deren Integration nie das Ziel war, da sie nur für eine gewisse Zeit in Deutschland bleiben sollten, von denen viele in Deutschland ihre Krankenpflegeausbildung absolvierten oder in ihrem Heimatland absolviert hatten bevor sie nach Deutschland kamen, legt man nun zumindest andere Maßstäbe bei der Sprachqualifikation an.

Und wieder versucht man die sich plötzlich und unerwartet auftuende Lücke zu stopfen indem man anstatt auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen hinzuarbeiten um die Attraktivität des Pflegeberufes zu steigern seine Finger ins Ausland streckt um dort qualifiziertes Personal abzuziehen.

Nach dem Motto „Was scheren mich die Sorgen und Nöte der anderen“ werben wir nun also in aller Welt für einen Berufszweig welcher im Ansehen der Bevölkerung Platz 2 in der Beliebtheitsskala belegt, da er mit einem hohen Grad an Verantwortung gleichgesetzt wird, jedoch in Punkto Vergütung hinter Kellnern oder Zugbegleitern rangiert.

Selbst für die aus Korea stammenden studierten Krankenschwestern war es befremdlich mit ansehen zu müssen unter welchen Bedingungen deutsche Krankenschwestern arbeiten müssen. Während eine Krankenschwester in Korea auf Augenhöhe mit dem Arzt arbeitet musste diese in Deutschland Patienten waschen, windeln und füttern was in ihrem Heimatland unter ihrem Niveau gewesen wäre da in ihrer Heimat für diese Art pflegerischer Verrichtungen weniger qualifiziertes Personal zur Verfügung steht.

Es wird Zeit das sich Deutschland an den Standards anderer Staaten orientiert wenn es um die Qualifikationsmatrix des Pflegebereiches geht.

Bringt mehr Personal auch mehr "Pflege"

Bringt mehr Personal auch mehr „Pflege“

Doch scheinbar sieht sich niemand in der Lage mit ernst gemeinten Konzepten hinter seinem Stuhl hervor zu kommen um auf Seiten der Gesundheitspolitik den Stein ins Rollen zu bringen. Von den unserem neuen Bundesgesundheitsminister zur Seite stehenden Staatssekretären kann man ein solches Handeln nicht erwarten, da diese entweder Qualifikationen aufweisen welche fernab jeglicher medizinischer Basis ein Verständnis für die Zusammenhänge vermissen lassen oder jedoch ihrem Lebenslauf geschuldet der Pharmalobby näher stehen als sie der Pflegeproblematik je stehen könnten.

Rettung naht in Form unserer Standesvertreter der diversen Berufsverbände welche sich des aufrechten Ganges erinnern um sich auf allen nur erdenklichen Protestveranstaltungen zum Thema Pflegenotstand mit Ständen und Plakaten ihren Mitgliedern zu präsentieren um gespielte Solidarität zu üben. Konzepte aus dieser Richtung sind Mangelware gilt es doch niemanden zu verprellen, alle bei Laune zu halten und den Blick auf das wesentliche, die Pflegekammern welche ihnen noch besser dotierte Jobs verschaffen, nicht aus den Augen zu verlieren.

Ein Berufsverband dessen Dynamik gerade einmal reicht um knapp 2 Prozent aller professionell Pflegenden an sich zu binden dient einer Minderheit und bildet keine Lobby welche sich auf Augenhöhe den politisch Verantwortlichen stellen kann.

Also betreiben wir weiterhin den Import von Fachkräften um das Lohnniveau professionell Pflegender niedrig zu halten und Lücken in den Personalstatistiken kurzfristig zu füllen.

Am eigentlichem Problem ändert sich jedoch zum wiederholtem Male nichts.

Die Ware Mensch, auf der einen Seite die Betroffenen welche im Eiltempo, mitunter fernab jeglicher zu verantwortender Professionalität versorgt werden und auf der anderen Seite jene welche wir dazu einladen bei uns zu arbeiten um sich vom gelernten, eventuell auch gelebtem Anspruch an ihr Pflegeverständnis zu verabschieden.

Die Charite hat sich übrigens von ihren chinesischen Mitarbeitern getrennt da zwar das Sprachverständnis gegeben war jedoch die Hürde der im Haus installierten elektronischen Dokumentation nicht überwunden werden konnte.

Eine koreanische Krankenschwester die 1970 nach Berlin kam macht sich Sorgen um die jetzt nach Deutschland kommenden Gastarbeiter da: „Die Schwestern haben keine Zeit für die Neulinge. Anstatt etwas zu erklären, macht sie es lieber schnell selbst. Sonst schaffen sie das Pensum nicht!“

 

Author: admin

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