Aus dem Kiez: 25 Jahre Mauerfall in Spandau


25Jahre nach dem Mauerfall erinnert in Berlin kaum noch etwas an die Zeit zwischen 1961 und 1989 wenn man von den missglückten Versuchen Touristen hier und da ein Stück Mauer anzubieten einmal absieht.

Die Berliner Mauer teilte die Stadt 28 Jahre lang in eine Insel die zum freien Teil der Welt gehörte sowie in eine Hauptstadt der ehemaligen DDR.

Da man es nach dem Mauerfall im November 1989 nicht erwarten konnte sich des antifaschistischen Schutzwalls zu entledigen hapert es an allen Ecken wenn es um das Gedenken an die Zeit der Berliner Mauer geht.

Das was im nachhinein an Gedenkstätten an die Zeit der Teilung Berlins aus dem Boden gestampft wurde, hat von all dem Schrecken den die Menschen erfahren haben die an ihrer Flucht in den Westen gehindert werden sollten, Menschenleben gekostet hat und stets mit dem Ziel „perfektioniert“ wurde Menschen zu töten, so gut wie nichts übrig gelassen.

Auf den Spuren des ehemaligem Mauerstreifens begeben wir uns für unsere Suche nach den Mauerresten an den westlichen Stadtrand Berlins im Bezirk Spandau.

Der West-Berliner Stadtbezirk Spandau stand unter dem Schutz der britischen Armee welche in den Kasernen Alexander und Haig Barracks  in Hakenfelde, Smuts, Wavel und Brooks Barracks in der Wilhelmstadt sowie den Montgomery Barracks in Kladow und auf dem Flughafen Gatow stationiert waren.

Zudem gehörten noch die Bezirke Charlottenburg, Wilmersdorf und Tiergarten zum Einflussbereich der in Berlin stationierten alliierten britischen Truppen.

Spandau verfügte am Ende der Heerstraße über einen Grenzkontrollpunkt an dem die Ein- und Ausreise von Kraftfahrzeugen aller Art, welche auf der Transitstrecke von und nach Berlin fuhren, abgefertigt wurde. An langen Wochenenden oder zu Ferienbeginn stauten sich die in Richtung Bundesgebiet fahren wollenden mitunter bis zum Scholzplatz (ca. 6,2 km) wenn die Volkspolizisten oder Angehörigen der DDR Grenztruppen dies so wollten.

Außer einer Gedenktafel, deren Standort korrigiert werden musste da diese an der heutigen Stadtgrenze aufgestellt wurde und den ehemals in der DDR liegenden Ortsteil West-Staaken mit einschloss, erinnert heute eine aus Stelen errichtete Mauergedenkstätte, der acht an der Grenze zu Berlin Spandau gestorbenen, an die ehemals hier verlaufende Grenze.

Die in südlicher Richtung befindlichen Grünflächen am Hahneberg, wo früher scharfe Hunde an Leinen den Grenzstreifen auf und ab liefen, Grenzsicherungsanlagen hell erleuchtet ein gespenstisches Bild boten und in regelmäßigen Abständen Wachtürme standen in denen misstrauische Grenzsoldaten jede Bewegung im Westen durch ihre Ferngläser beobachteten, wirken idyllisch, laden zum wandern und erkunden ein während in nördlicher Richtung der ehemalige Grenzstreifen mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut wurde.

Was den Bezirk Spandau angeht haben wir es hier mit einem immer wiederkehrendem Anblick zu tun bei dem einem die ehemalige Teilung der Stadt nicht wirklich auffällt so denn man nicht genau hinschaut oder sich des ehemaligem Verlaufs der Mauer bewusst ist.

In Richtung Süden, entlang des Mauerstreifens am Hahneberg in Richtung Potsdamer Chaussee um von dort aus nach Kladow zu gelangen. Wer auf der Potsdamer Chaussee unterwegs war fuhr für circa 5 Kilometer entlang der Mauer um nach Kladow zu gelangen.

Die Idylle am Groß Glienicker See, im Süden Spandaus, trügt da hier die innerdeutsche Grenze direkt in der Mitte des Sees verlief und damals mit Hilfe von Bojen den West-Berliner Badegästen der Grenzverlauf sichtbar gemacht wurde während sich am gegenüber liegendem Ufer Mauer, Stacheldraht und Grenztürme präsentierten.

Nördlich der Heerstraße, entlang des Nennhauser Damms über Spektefelde führt der ehemalige Weg den die britischen Truppen für ihre Grenzkontrollen in Richtung Eiskeller nutzten. Die Mauer trennte Spandau von dem in Brandenburg liegenden Falkensee ebenso wie im Bereich des Eiskellers von Schönwalde-Glien und führte weiter bis zur Havel die Spandau zum Wasser reichstem Stadtbezirk des ehemaligen West Berlins macht und eine Fährverbindung nach Reinickendorf jahrein jahraus Menschen und Kraftfahrzeuge übersetzt.

An allen, ehemals durch die Mauer getrennten, Verbindungen ins Umland das gleiche Bild von einer zwar informierenden jedoch auch leicht zu übersehenden Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Teilung welche zum Teil auf Mauerresten, extra dafür aufgestellten Schautafeln oder eben nur auf an Findlingen befestigten Gedenktafeln erfolgt.

Wie isses in Berlin?

Den wohl dreistesten An- oder Eingriff auf ein historisches Überbleibsel Berliner Geschichte erlaubt man sich derzeit an der East Side Gallery, den wohl von Touristen meist besuchten Mauerresten der Stadt.

Hier zeigt sich wie wenig Fingerspitzengefühl der Berliner Senat und die verantwortlichen Investoren im Umgang mit der ehemaligen Teilung Berlins an den Tag legen indem man dem Investor zugestand Teile der East Side Gallery abreißen zu können um Zufahrten zu den neu entstandenen Wohnkomplexen schaffen zu können.

Ein anderes, die Menschen in ihren Bann ziehendes Kapitel des Gedenkens, welches an die bei der Flucht an der Mauer verstorbenen erinnerte wurde vor einigen Jahren schon dem Erdboden gleich gemacht um Platz für Investorenträume zu schaffen.

Ein flecken Erde, in direkter Nachbarschaft des Checkpoint Charlie, der mit Kreuzen an die auf der Flucht aus Ost-Berlin un der ehemligen DDR ums Leben gekommenen erinnerte.

Siehe Bild im Kopf der Seite.

Chance vertan oder eben doch gewollt das man sich „Ihrer“ (der Mauer) kaum erinnert und wenn dann eben doch nur auf eine „charmante“ Art?

„Kleiner Ausblick auf die Feierlichkeiten:“

Im Rahmen der Planungen zu den Feierlichkeiten des 25 Jahrestages des Falls der Berliner Mauer spendiert uns die Bundesregierung eine Party auf dem 17. Juni.

Ansprache der Kanzlerin sowie des regierenden Bürgermeisters von Berlin (eventuell ein anderer als der bisherige da Wahlen anstehen. Sorry Klaus), wenn möglich versammeln sich die Herren Kohl als Kanzler der Einheit, der ehemalige Aussenminister H.D. Genscher sowie der damalige Bürgermeister der Stadt Walter Momper vor dem Roten Rathaus (was an sich schon ein Fauxpas wäre da ihnen dieser Ort damals nicht zur Verfügung stand) oder bei einem Gläschen Champus auf der all Zeit zu nutzenden Party Meile am 17. Juni.

Anschließendes „nun feiert mal schön“ mit Live Musik (I´ve bin looking for Freedom), Bratwurstständen und Feuerwerk vor dem Brandenburger Tor was dazu führen kann das, wenn man die Augen zu macht, gar kein Unterschied zu anderen Veranstaltungen (Sylvester, Fanmeile) herzustellen ist.

Wie dem auch sei.

Alle sind glücklich oder versuchen es zu sein was angesichts der seit Wochen zur Prime Time auf allen Fernsehkanälen zum wiederholtem Male durchgekauten Dokumentationen zur Geschichte des Mauerfalles schon ein wenig schwer fallen kann.

Nicht zu vergessen die Illumination des ehemaligen Grenzstreifens (auf einer Strecke von 12 Kilometer) mit Ballons welche selbstverständlich nur den ehemaligen Grenzverlauf im Innenstadtbereich Berlins betreffen wird, da der Rest des ehemaligen West-Berlin anscheinend von keiner Mauer umgeben war.

Hüben wie drüben könnten sich sonst vereinzelte finden denen beim Blick aus dem All auf die Stadt Berlin ganz warm ums Herz werden würde, sich ein Beck´s aufmachen um an die gute alte Zeit zu denken.

Ansonsten gleichen die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten eher Brachland oder sind so geheim das man darüber keine Informationen erhält. 6 Monate vor der Veranstaltung schafft das Raum für Spekulationen.

In diesem Sinne, feiert schön.

Author: admin

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