Die Insuffizienz der herzgesunden Ernährungsberatung

Zu den wohl undankbarsten Aufgaben innerhalb eines therapeutischen Teams, welches sich mit der Rehabilitation von Menschen beschäftigt die an Herz- oder Gefäßerkrankungen leiden, gehört wohl die Kommunikation des Themas Ernährung.

Die Freude sich am gedeckten Tisch nieder zu lassen um sich dem Genuss an der Mahlzeit hin zu geben, in geselliger Runde weder auf Kalorien oder Fettanteile von Nahrungsmitteln zu achten soll nun zu nichte gemacht werden. Anstatt beim Blick in die Speisekarte seinen Gelüsten freien Lauf zu lassen, wie sie es in den Jahren zuvor auch taten, sollen sie nun im Gedanken die Summe an Kilokalorien einer Mahlzeit oder deren Fett- und Cholesterinanteil einschätzen und dem entsprechend auswählen lernen.

Es war das am heftigsten diskutierte Thema während der Reha in der Fachklinik Wolletzsee und alle Versuche die seitens der Ernährungsberaterinnen unternommen wurden über die Gefahren einer falschen Ernährung oder die Vorzüge einer gesunden Ernährung aufzuklären, ließen die Mauer hinter der sich die Angesprochenen verbarrikadierten immer höher werden.

Die in diesem Zusammenhang wahrgenommenen Informationen ähnelten Ermahnungen und Verboten, wurden gleichgesetzt mit Verzicht auf und dem Verlust von Lebensqualität. Gerade Männer argumentierten damit das sie es ja nicht seien die am Herd stünden und das Essen zubereiteten womit der Ball an die nicht anwesenden Partner weiter gegeben wurde womit das Problem nicht mehr das ihre war.

Andere verwiesen auf ihren Beruf der ihnen keine Regelmäßigkeit in Bezug auf die Nahrungsaufnahme einräumt oder nur dann gegessen wird wenn die Zeit es erlaubt und dann eben schnell, nebenbei und ungesund.

Wieder andere konnten an den immer wiederkehrenden Diskussionen welche auf die vom Cholesterin ausgehenden Gefahren hinwiesen keine Brücke zu sich schlagen, da deren Blutwerte kein Risiko für koronare Herzerkrankungen in Bezug auf Cholesterin oder Triglyceride aufwiesen.

Wie bringt man Menschen dazu ihre seit frühen Kindertagen anerzogenen oder im Laufe des Lebens angeeigneten Ernährungsgewohnheiten zu ändern?

Screenen & Individualisieren

 

Eine Präsentation in der die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bezug auf die sinnvolle Verteilung der Nährstoffe oder die 10 Regeln einer vollwertigen Ernährung vermittelt werden macht keinen „Besser Esser“ aus einem Menschen welcher sich bisher nicht für sein Essen „interessiert“ hat und dieses lediglich konsumierte.

Eine individuelle Herangehensweise in Form eines Screenings bei dem der in den Vorbereitungen zur Reha befindliche für eine Woche seine Nahrungsaufnahme sowie seine Flüssigkeitszufuhr im Detail dokumentiert und zu dem noch mit einer Top Ten Liste der bevorzugten Nahrungsmittel ergänzt, lässt Rückschlüsse auf den Esstyp zu aus dem eine individuelle Ernährungsberatung erarbeitet werden kann.

Eine individuelle Ernährungsberatung setzt an den tatsächlich im Haushalt vorhandenen Lebensmitteln an womit die an den Betroffenen gestellten Erwartungen sein Leben im Bereich der Ernährung zu ändern nicht zu hoch geschraubt werden.

Im nächsten Schritt lassen sich die zum Einsatz kommenden Lebensmittel ergänzen oder umstellen indem schmackhafte Alternativen nicht nur unterbreitet sondern zubereitet werden wobei es sich auch gern um das Lieblingsgericht des Betroffenen handeln darf.

Eine Lehrküche innerhalb derer die Betroffenen ein Fischgericht mit Pangasius zubereiten während in den Vorträgen von hochwertigen Omega 3 haltigem Fisch gesprochen wird gehört reformiert da sie die Bemühungen der Ernährungsberatung zu nichte macht.

Wertigkeit von Speisefischen

 Pangasius:

  • Süßwasserfisch aus Thailand, Laos, Kambotscha oder Vietnam
  • Überwiegend Anzucht in Aquakulturen
  • 85 kcal / 356 kj
  • 23 g Eiweiß
  • 2,5 g Fett
  • 0,1 g Omega-3-Fettsäuren

Seehecht:

  • Salzwasser
  • Fanggebiete: Atlantik, Mittelmeer, Nordsee,Pazifik
  • Keine Bedrohung des Bestandes wenn aus Südafrika stammend, da dort nachhaltige Fischerei betrieben wird
  • 83 kcal / 350 kj
  • 17 g Eiweiß
  • 1,4 g Fett
  • 120 µg Jod
  • 0,7 g Omega-3-Fettsäuren

Lachs:

  • Salzwasser
  • Fanggebiete: Atlantik, Nordsee, Ostsee
  • 198 kcal / 907 kj
  • 19,3 g Eiweiß
  • 13,8 g Fett
  • 34 µg Jod
  • 1,25 g Omega-3-Fettsäuren

Der Pangasius hat es, obwohl er geschmacklich eher nichtssagend ist und auch auf Seiten der Nährwertbilanz nicht punkten kann, zum beliebtesten Speisefisch in deutschen Küchen gebracht. Zudem kommen bei der Aufzucht der Fische, welche überwiegend in Aquakulturen erfolgt, erhebliche Mengen an Antibiotika zum Einsatz.

In der herzgesunden Küche sollte dem zu Folge auf andere Speisefische zurückgegriffen werden wenn es um die Menge an Gefäß schützendem Omega-3 geht.

Fazit:

Eine von Ermahnungen geprägte Ernährungsberatung zielt in die falsche Richtung und wird zudem nicht den gewünschten Effekt bei den Betroffenen erzielen insofern es sich bei Ernährung um ein äußerst persönliches und somit sensibles Thema handelt.

Das von Verzicht und Einschränkungen geprägte Beratungsmodell stößt bei den umworbenen auf Widerstand und lässt sich nur schwer an den Mann bringen. Vor allem da es meist die nicht vor Ort in der Reha-Klinik befindlichen Ehefrauen sind welche sich um die Nahrungszubereitung kümmern. Wenn das Verständnis für eine herzgesunde Ernährung nicht in die heimische Küche gelangt werden sich viele wohl so weiter ernähren wie sie es vor ihrem Herzinfarkt auch getan haben.

 

Author: admin

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